Ev. Kreuzkirche zeigt „Heilige Momente“ von Monika Geisbüsch – 8.2. – 22.03.2026

Urbane Räume wie die der Museen, Kirchen, historischen Einkaufsgalerien oder auch Bahnhofshallen überwältigen durch ihre prachtvolle Architektur und besitzen mitunter eine andächtig-meditative Wirkung. Das sind die Motive der Ausstellung „Heilige Momente“ von Monika Geisbüsch in der Evangelischen Kreuzkirche, Wiesbaden, vom 8.02. bis 22.03.2026. Rolf Weber-Schmidt führte in die Ausstellung ein. © Foto Diether v. Goddenthow

Am Sonntag, dem 8. Februar 2026, wurde in der Evangelischen Kreuzkirche nach dem Gottesdienst die Ausstellung „Heilige Momente“ der Malerin Monika Geisbüsch feierlich eröffnet. In die Ausstellung führte der Kunstexperte und frühere Galerist der Galerie Mainzer Kunst, Rolf Weber-Schmidt, ein.

Monika Geisbüsch. Louvre. 2022. 120 x 80 cm.

Angesichts der zunehmenden Flut KI-generierter Bilder betonte Weber-Schmidt gleich zu Beginn den besonderen Wert „menschengemachter Gemälde“. Die Werke von Monika Geisbüsch, so hob er hervor, seien das Ergebnis eines langen, konzentrierten Arbeitsprozesses, der sich oftmals über viele Monate erstrecke – Malerei, die Zeit, Erfahrung und innere Durchdringung sichtbar mache.
Weber-Schmidt zeichnete Geisbüsch als ein „Kind vom Rhein“: geboren in Koblenz, lebend und arbeitend in Mainz, geprägt durch ihr Studium der Malerei und Zeichnung an der Kunsthochschule Mainz bei Dieter Brembs und Peter Lörincz. Seit fast 30 Jahren ist sie Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Rheinland-Pfalz, ihre Arbeiten befinden sich heute in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen.

Charakteristisch für ihr Werk sei, so Weber-Schmidt, eine starke zeichnerische Grundstruktur, die den Farben ein tragfähiges Gerüst verleihe. Geisbüsch arbeite bevorzugt mit Acryl und Öl, nutze Spiegelungen, Lichtreflexionen und extreme Bildausschnitte. Trotz der realistischen Anmutung grenze sie sich bewusst vom Fotorealismus ab. Ihre gesteigerte Farbigkeit diene nicht der bloßen Abbildung, sondern der Erzeugung von Atmosphäre – oft mit meditativer Wirkung.

Kunsthistorisch ordnete Weber-Schmidt ihr Werk dem Urbanen Realismus zu. Im Mittelpunkt stehen urbane und sakrale Räume: Museen, Bahnhöfe, Einkaufsgalerien, zunehmend auch kirchliche Gebäude. Es seien Orte des Übergangs, des Wartens und der stillen Isolation. Besonders interessiere Geisbüsch der Zwischenraum – zwischen Architektur und Mensch, zwischen Nähe und Distanz, zwischen Alltag und Spiritualität.

Impression der Ausstellung „Heilige Momente“ © Foto Diether v. Goddenthow

Die Figuren, so Weber-Schmidt weiter, wirkten häufig wie Alltagsnomaden: körperlich anwesend, innerlich jedoch in sich selbst versunken. Zwischenmenschliche Beziehungen würden nicht erzählerisch, sondern als psychologische Zustände sichtbar. Blickrichtungen, Körperhaltungen und räumliche Anordnungen formten fragile Beziehungsgeflechte, geprägt von einer Ambivalenz aus Nähe und emotionaler Abwesenheit.

Durch reduzierte Mimik und zurückhaltende Gestik entindividualisiere Geisbüsch ihre Figuren bewusst. Sie würden zu Projektionsflächen allgemeiner menschlicher Erfahrungen. Die häufig gedämpfte Farbigkeit und vereinfachte Formensprache verstärkten den Eindruck von Melancholie, Schweigen und latenter Spannung. Weber-Schmidt verwies hierbei auf die Tradition der expressiven Figuration und der Neuen Figuration, in denen äußere Form zum Träger innerer Zustände werde.

Zusammenfassend, so Weber-Schmidt, zeigten die Arbeiten von Monika Geisbüsch Beziehungen als komplexe, fragile und ambivalente Zustände menschlicher Existenz: in Partnerschaft, Familie, Gemeinschaft und Einsamkeit. Es gehe weniger um einzelne Geschichten als um das Menschliche an sich. Ihre Malerei verzichte auf Idealisierung und richte den Blick auf die Brüchigkeit moderner Beziehungserfahrungen – leise, poetisch und von großer gesellschaftlicher Wahrhaftigkeit.

(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)

über Monika Geisbüsch

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65195 Wiesbaden

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