
Wie das Hessische Landesmuseum Darmstadt am 1. April 2026 mitteilt, hat ein internationales Forschungsteam aus Schweden, den USA und Deutschland ein rund 34 bis 28 Millionen Jahre altes, außergewöhnlich gut erhaltenes Schmetterlingsfossil beschrieben. Die Studie entstand unter der Leitung von Dr. Hossein Rajaei, Schmetterlingsforscher am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, unter Beteiligung von Prof. Dr. Torsten Wappler vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt.
Schmetterlingsfossilien sind selten – und Funde mit erhaltenen feinen anatomischen Details sowie Flügelmustern stellen eine absolute Ausnahme dar. Das nun untersuchte Exemplar stammt aus dem frühen Oligozän von Céreste in Südfrankreich und gehört zu einer neuen Gattung sowie der neu beschriebenen Art Apaturoides monikae. Der Fund gilt als Schlüsselfund für die Evolutionsforschung der Schmetterlinge und ist zugleich das erste Fossil, das eindeutig der Unterfamilie der Schillerfalter innerhalb der Familie der Edelfalter zugeordnet werden kann.
Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Acta Palaeontologica Polonica veröffentlicht.
Schmetterlinge zählen heute zu den am besten erforschten Insekten, doch ihre fossile Überlieferung ist lückenhaft. Viele bislang gemeldete Schmetterlingsfossilien lassen sich nicht eindeutig bestimmen, und gut erhaltene Exemplare, die als verlässliche Ankerpunkte für evolutionäre Zeitachsen dienen könnten, sind äußerst selten. Das Fossil eröffnet daher einen besonderen Einblick in die frühe Evolution der Schmetterlinge.
„Beim Fossil von Apaturoides monikae aus Céreste sind der Großteil des rechten Flügels sowie große Teile der linken Flügel mit vollständiger Flügeladerung und deutlich erkennbaren Flügelmustern, darunter Augenflecken, erhalten. Kopf und Thorax sind von beiden Seiten sichtbar, und auch ein Großteil des Abdomens blieb erhalten. Diese außergewöhnlichen Merkmale ermöglichen eine präzise Einordnung in den Stammbaum der Schmetterlinge“, erklärt Hossein Rajaei, Erstautor der Studie.
Für die Forschenden stellt der Fund einen wichtigen Referenzpunkt dar. Molekulargenetische Untersuchungen gehen davon aus, dass sich die Hauptlinien der Edelfalter etwa zu jener Zeit aufgespalten haben, aus der auch dieses Fossil stammt. Da das Exemplar datiert und eindeutig bestimmt werden konnte, liefert es einen bedeutenden Mindestalter-Ankerpunkt für evolutionäre Analysen und hilft dabei, fossile Nachweise mit molekularen „Uhr“-Schätzungen abzugleichen.
„Dieser Fossilienfund legt nahe, dass die Apatura-Linie entweder älter ist, als es molekulare Analysen vermuten lassen, oder dass heutige Apatura-Arten Merkmale ihrer Vorfahren über lange Zeiträume hinweg bewahrt haben. In jedem Fall liefert der Fund eine wichtige empirische Grundlage, um besser zu verstehen, wann und wie sich die wichtigsten Schmetterlingsgruppen entwickelt und diversifiziert haben“, so Rajaei.

Ein detaillierter Vergleich mit allen bekannten Gattungen der Unterfamilie Apaturinae zeigt, dass das Fossil eine ausgestorbene Linie repräsentiert, die der heute in der Paläarktis verbreiteten Gattung Apatura am ähnlichsten ist. Der neue Gattungsname Apaturoides spiegelt diese Verwandtschaft wider. Das Fossil wurde bereits 1979 von Herbert Lutz aus den laminierten, süßwasserbildenden Kalksteinen der Campagne-Calavon-Formation geborgen. Die Fundstätte in der Region Lubéron steht heute unter Schutz. Der Artname monikae ehrt Monika Lutz-Scholz, die Ehefrau des Entdeckers.
Die Ablagerungen von Céreste in den Alpes-de-Haute-Provence sind für ihr breites Spektrum konservierter Organismen bekannt, doch Schmetterlingsfossilien bleiben selbst dort eine große Seltenheit. „Dieser Fund unterstreicht die Bedeutung geschützter Fossillagerstätten sowie den bleibenden Wert von Museumssammlungen und historischen Entdeckungen, die meist erst nach Jahrzehnten erkannt werden und durch neue Analysen wichtige wissenschaftliche Ergebnisse liefern“, betont Torsten Wappler.
Originalpublikation:
Rajaei, H., Wappler, T., De Jong, R., Wahlberg, N., & Engel, M.S. (2026). Exceptionally preserved Oligocene emperor butterfly from France provides a new calibration point for Apaturinae evolution. Acta Palaeontologica Polonica.
DOI: http://doi.org/10.4202/app.01332.2026
