
Mit 270 Künstlern aus 28 Ländern feiern die Internationalen Maifestspiele Wiesbaden vom 01. bis 31. Mai 2026 ihr 130-jähriges Bestehen. Unter dem Motto des Archivs – als Ort des Bewahrens, Erinnerns und Weiterdenkens – richtet das Festival den Blick auf seine eigene Geschichte und zugleich in die Zukunft. Es versteht sich als „lebendiges Archiv“, das Identität stiftet und sich stetig wandelt.
Ein stilvolles „Déjeuner en blanc“ am 17. Mai, kreiert von der Theatergastronomie Scholz, lädt dazu ein, 130 Jahre Maifestspiele festlich an einer langen Tafel in den Theaterkolonnaden zu feiern.
Die Internationalen Maifestspiele waren schon immer ein Ort, an dem die großen Werke der Geschichte und neueste Interpretationen unserer Zeit zusammenkommen. Mit den kostenlosen „Maifestspielen für alle“ (01./02.05.) inklusive Familienfest findet auch in diesem Jahr wieder ein großes Open-Air-Event statt – mit Opern-Live-Übertragung am Warmen Damm und einem Straßentheaterspektakel mit sieben riesenhaften Giraffen-Marionetten.
Programm

Als Associate Artist ist der portugiesische Regisseur Tiago Rodrigues, einer der wichtigsten Theatermacher Europas, zu Gast und zeigt gleich zwei Inszenierungen. Eröffnet wird das Festival am 01. Mai mit Richard Wagners „Tristan und Isolde“. Rodrigues verfolgt den Weg des Tristan-Stoffes durch Überschreibungen und Mehrdeutigkeiten und stellt die Musik in den Mittelpunkt. Unter der Leitung von GMD Leo McFall stehen international erfolgreiche Wagner-Sänger auf der Bühne: Ric Furman und Carla Filipcic Holm übernehmen die Titelrollen, als Brangäne ist Irene Roberts zu hören. Die Eröffnungspremiere wird per Live-Stream an den Warmen Damm übertragen. Am 02. Mai stellt sich der Associate Artist in einer Lecture den Fragen des Publikums.
In „No Yogurt for the Dead“ (13.05.) erinnert sich Tiago Rodrigues an seinen Vater, der ihm ein rätselhaftes, nicht zu entzifferndes Notizheft hinterließ. In diesem Theaterstück füllt er die Leerstellen auf berührende und humorvolle Weise mit Erinnerungen und Fado-Liedern und erschafft aus den Fragmenten seines verstorbenen Vaters eine Hommage an das Leben.
Zwei Gala-Vorstellungen bringen international gefeierte Stars nach Wiesbaden. In „La traviata“ (22.05.) brilliert Rachel Willis-Sørensen, „eine der beeindruckendsten Stimmen der Opernwelt“ (Le Monde), neben Saimir Pirgu und Quinn Kelsey. Als Carmen (31.05.) ist Victoria Karkacheva zu erleben, die derzeit mit dieser Partie in Wien und Paris debütiert. Dumitru Mîţu und Byung Gil Kim übernehmen die Rollen von Don José und Escamillo.
Das Gastspiel „…und mit morgen könnt ihr mich!“ (05.05.) der Komischen Oper Berlin vereint mit Katharine Mehrling, Regisseur Barrie Kosky und den Songs von Kurt Weill glitzernde Unterhaltung mit Tiefgang. Mehrling, eine der wichtigsten Weill-Interpretinnen der Gegenwart, schlüpft in die unterschiedlichen Figuren von Weills Songs und folgt den Stimmungen einer Berliner Nacht.
Neue Impulse für zeitgenössisches Musiktheater liefert die Uraufführung „Isithunzi“, in der die Komponistin Monthati Masebe ihre afrikanischen Wurzeln mit Einflüssen ihrer Klavierlaufbahn – allen voran der Klangwelt Maurice Ravels – verbindet. In „Hunter“, einer Produktion der Neuköllner Oper Berlin, wird der Sound eines Basketballspiels zum Beat für neues Musiktheater. Liesa van der Aa spürt dem Rhythmus des Sports ebenso nach wie dem Rhythmus des Herzens.

Auch in Konzerten und Liederabenden warten die Maifestspiele mit internationalen Stars auf, die ihre persönliche Handschrift in die Programme einbringen. Für das 7. Sinfoniekonzert (20.05.) kehrt der ehemalige Wiesbadener GMD Jonathan Nott in die Stadt zurück, in der seine steile Karriere begann. Auf dem Programm stehen Mahlers 1. Sinfonie und Beethovens 2. Sinfonie – zwei große Werke der Konzertliteratur. In einem exklusiven Gala-Liederabend (19.05.) zeigt sich der legendäre spanische Sänger Plácido Domingo mit Stücken der Zarzuela von einer persönlichen Seite – jener spanischen Operette, mit der er als Sohn zweier Zarzuela-Sänger aufgewachsen ist. Pene Pati bringt mit dem Programm „Serenata a Napoli“ (13.05.) gemeinsam mit Il Pomo d’Oro seine unverwechselbare Wärme in das neapolitanische Lied ein.
Das Burgtheater Wien kehrt mit Thomas Manns „Der Zauberberg“ (28.05.) nach Wiesbaden zurück. Gleich zwei bemerkenswerte Produktionen des Digitalen Theaters sind zu Gast: die vielfach prämierte Inszenierung „[EOL] End of Life“ des Regie-Duos DARUM, die 2025 zum Theatertreffen eingeladen war, sowie „Memories of Snow“ des Theaterkollektivs minus.eins.lab, das ein Stück der rumänischen Autorin Teona Galgotiu in eine Augmented-Reality-Installation übersetzt.
In Kooperation mit dem Burgtheater Wien, der Volksbühne Berlin und dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden lädt die Performance-Gruppe Gob Squad anlässlich des Johann-Strauss-Jahres zu der immersiven Soiree „TURN“ (16./17.05.) ins Kurhaus. Außerdem sind mit Wolfram Koch und Bjarne Mädel zwei große Namen mit Soloprogrammen zu erleben.
Der Tanz zeigt bei den Maifestspielen stilistische Facetten, die im Repertoire sonst seltener vertreten sind. Fans des neoklassischen Balletts kommen auf ihre Kosten, wenn das renommierte Malandain Ballet Biarritz den Abend „Les Saisons“ (16./17.05.) unter anderem mit Musik von Antonio Vivaldi präsentiert. Weit über den Tellerrand blickt die Neuinterpretation von William Shakespeares „Hamlet“ (21.05.) durch die vielfach ausgezeichnete südafrikanische Choreografin Dada Masilo. Die kanadische Gruppe People Watching bringt mit „Play Dead“ (27./28.05.) an der Schnittstelle von zeitgenössischem Zirkus, Tanz und physischem Theater eine weitere Farbe ins Programm.
In den Vorstellungen der Jungen Maifestspiele wird die große internationale Bandbreite zeitgenössischen Kinder- und Jugendtheaters erlebbar. Für Familien ist mit Konzerten, Schauspiel, szenischen Lesungen und viel Raum zum Entdecken und Mitmachen auch für die Jüngsten gesorgt. Ein Highlight ist die Gala des Jungen Staatsmusicals „What a feeling“ (24.05.).
Bereits zum dritten Mal präsentiert das Förderprogramm „Freiräume“ als Kooperation des Kulturamts mit dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden Arbeiten lokaler Künstler verschiedener Genres.
Hessisches Staatstheater Wiesbaden
